Die 5 häufigsten Fütterungsfehler
- Claudine Brändle
- vor 16 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Der perfekte Betrieb gibt es nicht. Überall passieren Fehler, ob bewusst in Kauf genommen oder unbewusst. Nachfolgend eine kleine Hitparade der fünf häufigsten Fütterungsfehler, die man immer wieder auf den Betrieben antrifft.

Platz 5: unzureichende Wasseraufnahme
Kaum ein Futtermittel wird nach wie vor derart unterschätzt wie Wasser. Pro kg Milch muss eine Kuh mind. 4 l Wasser aufnehmen. Ab 15°C Umgebungstemperatur nimmt dieser Wert noch zu und kann bis 200 l Wasser pro Q und Tag erreichen. Typische Fehler rund um die Wasseraufnahme sind zu wenige oder zu kurze Tränken, falsche Verteilung im Stall, falsche Höhe der Wasseroberfläche, zu wenig Durchfluss oder zu hoher Verschmutzungsgrad. Prüfe auch regelmässig den pH-Wert des frischnachlaufenden Wassers. Vor Kurzem massen wir auf einem Betrieb einen pH von 8!
Tipp: Installiere einen Wasserzähler für den Tränkekreislauf, um die Wasseraufnahme zu überwachen (bei Geflügelställen Standard!)
Platz 4: unregelmässige Fütterungszeiten
Die Kuh ist ein Gewohnheitstier! Ihr Arbeitstag beginnt dann, wenn das erste Mal frisches Futter abgeladen wird. Ihr Tagesablauf besteht aus mehreren kleinen und grossen Fütterungszeiten mit dazwischenliegenden Phasen des Liegens und Wiederkauens. Nur so kann sie das aufgenommene Futter auch richtig aufschliessen und aufnehmen. Technische Hilfsmittel wie Mischwagen, Fütterungsroboter oder Anschieber erleichtern uns zwar die Arbeit, verleiten uns aber dazu, sämtliche Regelmässigkeit zu vernachlässigen. Einige fehlerhafte Beispiele dazu:
Es wird eine neue Mischung gemacht, wenn der Mischwagen leer ist. Dies kann alles zwischen 12 und 48 Stunden sein.
Es wird nicht eine Mischung gemacht, die für 12 oder 24 Stunden reicht, sondern dass es mit ganzen Siloballen aufgeht.
Der Futteranschieber läuft alle zwei Stunden und scheucht alle Kühe auf.
Das Futter wird angeschoben, wenn jemand durch den Stall läuft. Dies kann zu unterschiedlichen Tageszeiten stattfinden.
Der Fütterungsroboter mischt viele kleine Mischungen pro Tag und nur dann, wenn das Futter auf ist. Kleinmengen bei Heu und Stroh überfordern ihn. Die Mischung wird ungenau und ist keine 24 Stunden identisch.
Tipp: Versuche mit deinen Fütterungsarbeiten möglichst auf den Biorhythmus der Kuh einzugehen!
Platz 3: häufige Futterumstellungen
Die Schweizer Landwirtschaft ist im weltweiten Vergleich kleinstrukturiert. Um die Arbeitsspitzen rund um die Futterbergung zu meistern, neigen wir dazu, wenig aufs Mal dafür bei annähernd jeder Gelegenheit irgendwie Futter zu konservieren. Wenige Betriebe arbeiten bei der Grundfutterproduktion mit standardisierten Arbeitsabläufen. Das Resultat: 15 Siloballen, die zu trocken sind, 20 Siloballen, die zu nass und voller Buttersäure sind. 10 cm Emd im Heustock, die einwandfrei sind, 5 cm, die muffen. Die Weiden mal so mal so, je nach Pflanzenbestand. Alle 10 Tage wird eine frische Parzelle mit Eingrasen begonnen und wird im unterschiedlichen Stadium verfüttert. Für 2 Monate wird Grünmais gefüttert, der Rest vom Jahr gibt’s kein Mais. Aus Sicht des Pansens sind solche Fütterungsfehler katastrophal. Die vorherrschende Lehrmeinung zur Anpassungsdauer des Pansens an Fütterungsumstellungen ist nach wie vor 6 bis 8 Wochen. Meiner Erfahrung nach benötigt der Pansen 3 Monate, um sich an eine neue Ration zu gewöhnen! Nicht umsonst melken die meisten Betriebe im Februar und März die höchsten Leistungen (angepasste Winterration).
Tipp: Versuche möglichst viel Konstanz in die Ration zu bringen. Hast du viele Futterumstellungen aufgrund unterschiedlicher Siloballen, verdünne die Ration mit standardisierten Futtermitteln (Maissilage, Kraftfutter, silierter Biertreber, Heu, …).
Platz 2: Futterselektion
Der häufigste Grund, warum die Ration auf dem Papier ausgeglichen ist, die Kühe aber etwas ganz anderes zeigen, ist Futterselektion. Tunnelfras, häufigsten Hin- und Herschieben der Ration, visuelle Unterschiede zwischen gemischter Ration und Krippenreste und eine heterogene Herde sind Anzeichen für Futterselektion. Abgesehen vom wirtschaftlichen Schaden ist Futterselektion deshalb so unerwünscht, da es ein objektives Fütterungscontrolling (Kontrollieren und Anpassen) verunmöglicht. Typische Ursachen der Futterselektion sind:
Zu wenig kurz geschnitten / gehäckselt / gemischt
Falscher TS-Gehalt
Kraftfutterpellets
Zu wenig Fressplätze
Falsche Befüllreihenfolge des Mischwagen
Falsches Futtertischmanagement
u.v.m.
Tipp: Stelle eine Mischung her, welche es den Kühen so schwer wie möglich macht, zu selektieren.
Platz 1: ungenügende Trockensteherfütterung
Auf Platz 1 der nationalen Fütterungsfehler nach wie vor: Die Galtkühe werden nicht korrekt gefüttert! Kein Fütterungsfehler hat derart hohe wirtschaftliche Auswirkungen wie wenn die Galt- und Transitkühe unzureichend versorgt werden. 80% aller Kuhkrankheiten haben ihren Ursprung in den 6 Wochen vor und nach dem Kalben. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass nachfolgende Fütterungsfehler, die sich manchmal kaum verhindern lassen, eher verziehen werden, wenn die Kühe in der Trockenstehphase richtig gefüttert wurden. Oder umgekehrt: Wurden die Kühe in der Galtzeit vernachlässigt, fallen die Kühe in der Laktation bei jedem Windstoss um. Typische Fehler in der Galtzeit sind:
Zu tiefer TS-Verzehr
Falscher DCAB-Wert der Ration in Kombination mit Ca- und K-Überschuss
Zu wenig Mg, P, Zn, Mn, Vit. A und Vit. E
Futterselektion (nirgendswo häufiger zu beobachten als bei den Trockenstehern!)
Eiweissüberschuss
Energieunterversorgung
Tipp: Die perfekte Ration gibt es nicht, aber für jeden Betrieb lässt sich eine zweckdienliche Trockensteherration umsetzen. Finde sie!
Diese Auflistung soll eine kleine Übersicht geben über häufige Fütterungsfehler und zum Denken anregen. Selbstverständlich ist sie nicht abschliessend und auch nicht statistisch ausgewertet. Dennoch wird sich der eine oder andere darin wiedererkennen und bekommt Anhaltspunkte, was er dagegen unternehmen kann.
Pirmin Zürcher
